Roman Wüst

Presseartikel

In der Presse

Viele Fische tummeln sich in der Blies

Experte Roman Wüst freut sich, dass er mit den Bliesauen einen gesunden, sich schlängelnden Fluss vor Augen hat.

VON FRANK BREDEL

BLIESKASTEL Die Blies ist ein Paradies für Angler. Das sagt Roman Wüst, der Vorsitzende des Anglervereins Webenheim, der als Zoologe die Fische studiert hat und sich wissenschaftlich mit dem Artenreichtum an der Blies beschäftigt. „Die Fische sind meine große Leidenschaft“, sagt der heute 55-jährige Blieskasteler, der seit mehr als 30 Jahren den Angelverein in Webenheim führt und froh darüber ist, dass er mit den Bliesauen einen gesunden, sich schlängelnden (mäandrierenden) Fluss vor Augen hat. Die Gewässergüte der Blies sei gut. Eingeteilt würden Flüsse in vier Stufen. Eins sei der beste Wert, vier der schlechteste: „Die Blies liegt zwischen zwei und drei mit klarem Trend zu zwei. Sie ist damit nicht ganz sauber, aber in einem guten Zustand.“ Drei Angelvereine würden sie bewirtschaften, neben Webenheim der Angelverein Blieskastel und der ASC Mimbach. Die Angler in Webenheim haben zwischen ihrem Stadtteil und der Autobahn ein stehendes Gewässer, an dem ein Holzhaus steht. Dieser breite Quergraben zur Blies ist ein Relikt der Kriege und wurde als Panzersperre künstlich angelegt. „Dieser Panzergraben war einmal sieben Meter tief und wurde wie eine Badewanne mit steilen Ufern ausgehoben“, weiß Wüst. Heute sei der Panzergraben ein Fischereigewässer und ein Laichgewässer für die Hechte.

Die nahe Blies habe die Barbe als Leitfisch. Neben ihr kämen Karpfenfische, Rotaugen, Rotfedern, Zander, Hecht und Aal im Gewässer vor. „Sogar Bachforellen finden wir an den sogenannten Rauschen, an den Stellen mit höherer Strömungsgeschwindigkeit“, sagt der Zoologe, der den Bestand immer im Auge hat. „Neben Nied und Prims ist die Blies das Fischerei-Highlight im Saarland“, fügt er hinzu und erzählt eine Anekdote, um dies zu verdeutlichen: „Früher gab es wegen der vielen Hechte noch Berufsfischer an Rhein und Main. Durch Begradigungen und Wegfall von Feuchtwiesen wurde der Bestand dezimiert, und die professionelle Fischerei starb aus. Wir sind stolz, dass der Hecht in den Bliesauen noch laichen kann und es auch tut. Dabei spielen die Überflutungen eine entscheidende Rolle. Die Eier werden bei Hochwasser im Panzergraben abgelegt, beim nächsten Hochwasser schwimmen die Jungfische in die Blies.“ Ein anderes Tier sei leider aus der Blies verschwunden: der deutsche Edelkrebs.

Im Zeitalter der industriellen Revolution verschwanden diese Krebse mit zunehmender Wasserverschmutzung auch aus der Blies, eine neue Krebsart sollte den Bestand ersetzen: der nordamerikanische Kamber-Krebs. „Überall wurden diese Krebse eingesetzt und mit ihnen eine Pilzinfektion, die Krebs-Pest. Unsere einheimischen Krebsarten wurden dadurch ausgerottet. Heute findet man die Kamber-Krebse auch an der Blies reichlich, man wird sie aber nicht mehr los“, sagt Wüst. Die Kamber-Krebse seien essbar, man fange sie aber nicht. Wüst, der Jagd- und Fischereischulen und in Blieskastel eine kleine private Rinderzucht betreibt, wird die Fische natürlich weiter im Auge behalten. Regelmäßig untersucht er dafür auch die Blies-Zuläufe in Blieskastel. Aktuell sei er sehr zufrieden. Die Blies-Auen würden ihn nach wie vor ins Schwärmen bringen, sagt er.

Ein Uhu-Paar findet sein neues Zuhause in Enspel!


08.02.2021 Rhein-Zeitung

Uhu Paar findet sein neues Zuhause in Enspel

Stöffel-Park wird zur königlichen Residenz

Ein Uhu-Paar findet sein neues Zuhause in Enspel! Im Stöffel-Park wurde den Sommer 2020 über immer wieder geschweißt, gehämmert, auf einer großen Konstruktion herumgeklettert und unter Einsatz großer Maschinen ein etwas anderes Kunstwerk erstellt: eine Vogelvoliere. Denn es ging darum, ein neues Zuhause für ein Uhu-Paar zu errichten.

Die Männer des Bauhofs, die hier im Schweiße ihres Angesichts bei herrlichstem Sommerwetter schufteten, was die Sache ja noch anstrengender machte, waren sichtlich mit Leidenschaft bei der Sache. Außerdem gab es noch eine Fülle weiterer Aufgaben für sie, so mussten sie ständig ihr Werk immer wieder neu aufnehmen.

Um riesige Gesteinsbrocken herum wurden Gitter nach Maß angebracht. Was gelang, weil Oliver Lück sehr gut schweißen kann. Er und Ralf Stendebach verbesserten bei der Arbeit die ursprüngliche Planung – und so wurde aus einem normalen Vogelgehege letztlich eine Luxusvoliere. Zu ihrem Team zählten noch die jungen Helfer Moritz Greiner und Johannes Dietershagen.
Ein Meisterstück abgeliefert

„Hier wurde ein Meisterstück abgeliefert. Das ist wahrhaftig Kunst am Bau“, sagte Martin Rudolph (Geschäftsführer des Stöffel-Parks) begeistert. Er und seine Mitarbeiterin Carmen Engel schätzen die Mannschaft sehr und waren von dem Projekt angetan.

Im Oktober war es dann soweit: Im Hintergrund ruhen die schweren Basaltbrocken, auf denen die Uhus gerne sitzen, der Boden ist mit großen glatten Rheinkieselsteinen, die auf einer dicken Schicht Schotter liegen, bedeckt. Denn die Tiere sollen sich nicht an scharfen Kanten verletzen, und ihr Schmelz (wie ihre Ausscheidung falknerisch-elegant genannt wird) kann so einfach mit dem Gartenschlauch weggespült werden. Prächtige Robinienholzstämme bieten den Tieren weitere Sitzplätze zum Anfliegen an.
Ein Dank dem Sponsor

„ EWM aus Mündersbach, eine Firma für Schweißtechnik, hat uns gesponsert, da ihnen das Projekt gefallen hat“, berichtet Oliver Lück. Ein automatischer Schweißschirm, ein Wagen für das Schweißgerät und Handschuhe zählen unter anderem dazu. Und es wurde hier auch ein Werbefilm gedreht.
Ein Begrüßungskomitee für die Könige der Nacht

Die Voliere war kaum fertiggestellt, da hieß es schon: Das Uhu-Pärchen kommt! Die Männer vom Bauhof, Stöffel-Park-Mitarbeiter und Falknerin Susanne Kersten (Schulleiterin der Stöffelmaus-Schule) waren bei der Begrüßung natürlich dabei.

Große Freude: u.a. bei Martin Rudolph (l.), Ralf Stendebach (4. v. l.), Falknerin Susanne Kersten (Mitte) und Carmen Engel (4. v. r.) sowie natürlich bei Oliver Lück (3.v.re) und Moritz Greiner (rechts).

„Die Tiere sind in Gefangenschaft aufgewachsen und stammen aus einem von dem Zoologen Roman Wüst geleiteten Naturpädagogischen Projekt aus dem Wildpark Saarbrücken, unter dessen Federführung der Umzug der Eulen erfolgte“, erzählt Kersten. Und natürlich ist der neue Standort zuvor besprochen sowie überprüft und genehmigt worden durch das Kreisveterinäramt und die Untere Naturschutzbehörde im Westerwaldkreis.
Ein naturpädagogisches Projekt

Susanne Kersten sieht mit dem Uhu-Paar eine gute Chance, Menschen – Groß und Klein – einen Einblick in die Natur und eine einheimische Wildart zu vermitteln. Denn: „Die Gesellschaft entfremdet sich von der Natur“, hat sie festgestellt. Sie ist sicher: „Über Fachwissen kann der Zugang wieder hergestellt werden.“ Dabei sei unerlässlich, das Gesamtgefüge zu betrachten. Das sei umso wichtiger, da wir Menschen dazu neigen, „alles, was wir nicht wissen, mit Emotionen aufzufüllen.“ Die sind stark. Aber sie sind nicht immer zutreffend.

„Der direkte Kontakt zu den Vögeln, ihre Verhaltensweisen beim Schlagen von Beute, die Nahrungsaufnahme und die Beobachtung ihres Sozialverhaltens helfen Menschen, insbesondere Kindern, die Natur und ihre Zusammenhänge zu verstehen“, so Kersten.

Sie freut sich, dass die Grundschulkinder von der Stöffelmaus-Schule (Stockum-Püschen) hier Anschauungsunterricht bekommen können. „Das ist besser als alle Arbeitsblätter. Und die Infos aus einer realen Begegnung mit Tieren bleiben immer nachhaltiger im Gedächtnis haften“, weiß die Schulleiterin aus Erfahrung.

Und sie ist sicher, dass die Besucher des Stöffel-Parks nebenbei viel von diesen Wildtieren erfahren können. Die Männer vom Bauhof stellen auch Bänke vor der Voliere auf sowie Schaubilder, damit beschauliches Betrachten und Wissenserwerb Hand in Hand gehen können.
Der Uhu – einer von hier

Der Uhu (lateinisch „Bubo Bubo“) ist ein heimischer Vogel und die größte europäische Eulenart. Fossile Gewölle vom Stöffel lassen auf eulenartige Bewohner, die vor 25 Millionen Jahren hier lebten, schließen. Und sogar als hier der Basaltabbau (bis 2000) noch im Betrieb war, brütete hier ein Paar – bei laufenden Brecheranlagen.

Man nennt sie auch „Könige der Nacht“. Das Uhu-Paar Gretel und Hannes hat sich schon im Stöffel-Park eingelebt.

Und heute ist er wieder da: Die beiden aus der Zucht stammenden Uhus Hannes und Grete haben in der Stöffel-Park-Voliere ein gutes Zuhause gefunden. „Sie fühlen sich bereits wohl hier“, berichtet Carmen Engel, die als gelernte Tierarzthelferin einen guten Blick für deren Verhalten hat. Sie kümmert sich mit einigen anderen um das tägliche Füttern. Ob die Uhus entspannt sind, ist übrigens schnell zu erkennen: „Dann stehen die Federöhrchen aufrecht“, erläutert die Falknerin Susanne Kersten.
Noch läuft die Malaktion

Nennen Sie es Urinstinkt

Süddeutsche Zeitung Nr. 249, Donnerstag, 29. Oktober 2015

 

„Nennen Sie es Urinstinkt“

Jäger Roman Wüst über anständiges Töten – und eine Gesellschaft,

die sich von Billigfleisch ernährt, aber Jäger fürchtet

 

Interview: Titus Arnu

 

Der Raum hängt voller Trophäen: Karibus, Elche, Hirsche, Wisente, Sauen. Draußen flattern Eulen in einer Voliere, im Seminarraum schrauben Teilnehmer Pistolen zusammen. Roman Wüst führt durch die Jagdschule „Jagen Lernen“, untergebracht auf dem Linslerhof, einem Gutshof in Überherrn im Saarland, wo man in drei Wochen einen Jagdschein erwerben kann. Wüst gilt als einer der führenden deutschen Jagdausbilder – und er ist selbst leidenschaft-licher Jäger sowie Mitgesellschafter einer Firma, die auch Großwildjagden organisiert. Ein Gespräch zur laufenden Jagdsaison.

 

SZ: Herr Wüst, können Sie sich an das erste Tier erinnern, das Sie gefangen oder geschossen haben?

Roman Wüst: Als Sieben- oder Achtjähriger habe ich schon Vögel gefangen. Ich habe mich immer sehr für Vögel und Tiere überhaupt interessiert und alles über sie gelesen. Mit elf Jahren habe ich meinen ersten Uhu gefangen, mit dem ich dann gearbeitet habe.

 

SZ: Wie fängt man einen Uhu?

Es gab einen Deal mit meinen Eltern: Solange ich keine Schwierigkeiten in der Schule hatte, durfte ich mehr oder weniger machen, was ich will. Ich bin im ländlichen Raum aufgewach-

sen, im Saarland, und ich

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„Jäger sein kann man

nicht lernen. Das ist man

oder man wird es nie.“

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habe meinen Eltern irgendwann das Versprechen abgerungen, dass ich einen Greifvogel behalten darf – falls ich ihn denn fangen kann. Und das habe ich probiert, indem ich mit Strohballen und Ästen auf einer Wiese eine Hütte gebaut habe, und dann habe ich darauf einen Köder ausgelegt – Schlachtabfälle, die mir der Dorfmetzger gegeben hat. Ich habe Schweißer-Handschuhe von meinem Vater genommen und in der Hütte gewartet, bis die Raubvögel kamen. Irgendwann gelang es mir, ein Uhu-Weibchen zu schnappen, das ich in eine Pappkiste steckte. Der Uhu hat mir damals eine Narbe am Bauch zugefügt, die man heute noch sieht.

 

 

SZ: Und können Sie sich an das erst Tier erinnern, das Sie erlegt haben?

Ja, ich habe meinen Jagdschein bereits als Jugendlicher gemacht und dann ein ganzes Jahr gebraucht, bis ich mein erstes Stück geschossen habe. Einen Rehbock. Ich habe ihn einen ganzen Tag lang im Rucksack herumgetragen und jedem gezeigt, so stolz war ich darauf. Ich kann mich bis zum heutigen Tag daran erinnern, wie toll das Fleisch geschmeckt hat, das ich zusammen mit meiner Familie gegessen habe.

 

SZ: Was empfinden Sie dabei, wenn Sie ein Tier töten?

Das ist eine Grenzerfahrung. Man betreibt ja einen riesigen Aufwand, um zum Ziel zu kommen, schläft tagelang nicht aus, ist bei Wind und Wetter draußen, wartet stundenlang auf dem Hochsitz. Und dann, wenn man zum Erfolg gekommen ist, ist man unmittelbar von den Folgen des eigenen Handels betroffen. Es ist eine drastische Konfrontation: Wir töten das, was wir lieben. Das ist schwer zu verstehen, wenn man es nicht schon mal erlebt hat.

 

SZ: Sind Jäger bestimmte Menschentypen?

Jäger sein kann man nicht lernen. Das ist man oder man wird es nie. Ich habe den Anspruch, in unseren Jagdschulen den Seminarteilnehmern den bestmöglichen Weg zu zeigen, wie man professionell und verantwortlich jagt. Ob derjenige dann den geeigneten Charakter dazu hat, ein Jäger zu sein, will ich nicht entscheiden.

 

SZ: Was macht einen Jäger charakterlich aus?

Wenn man einen Jagd-Funktionär fragt, was der Sinn des Jagens ist, wird er antworten: Der Jäger reduziert Waldverbeißer, er ist Ersatzprädator für Großraubtiere, er hat Verantwortung für die bäuerliche Kulturlandschaft und so weiter. Glauben Sie allen Ernstes, dass ich nach 30 Jahren noch auf die Jagd gehe, weil ich Waldverbeißer reduzieren will?

 

SZ: Keine Ahnung, warum jagen Sie?

Ich jage, weil ich bis zum heutigen Tag keine Luft kriege, wenn ich einen Rehbock springen sehe oder eine Sau kommen höre. Das ist eine ganz ursprüngliche Leidenschaft, die mir hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

 

SZ: Das heißt also, Sie jagen auch aus Freude am Töten?

Das Töten eines Tieres ist der Kern der ganzen Geschichte. Aber es ist meiner Meinung nach sehr wichtig zu begreifen, dass man nicht jagt, um zu töten, sondern dass man umgekehrt tötet, um gejagt zu haben.

 

SZ: Was wollen Sie damit sagen?

Die Freude an der Betreuung eines Reviers, das ernsthafte Interesse an der Natur mündet für einen Jäger irgendwann im Töten eines Tieres. Ein Akt zwischen Leidenschaft und Vernunft – das Fachwissen muss vorhanden sein, aber man macht so etwas nur, wenn man es mit hohen Emotionen verbindet.

 

SZ: Historisch gesehen haben Menschen zuerst gejagt, um überleben zu können. Später wurde die Jagd zum Privileg von Adeligen und Reichen. Welchen Stellenwert hat die Jagd in der heutigen Gesellschaft? Ist sie ein reiner Spaßfaktor? Ein Statement?

Nennen Sie es Urinstinkt oder Leidenschaft, aber ich glaube, dann man nirgendwo seinem Gott näher ist als auf der Jagd. Doch die Jagd ist heutzutage viel mehr als das. Unsere Gesellschaft hat größtenteils vergessen, dass das Stück Fleisch, das vakuumverpackt aus der Tiefkühltruhe kommt, einmal ein Tier war, das dafür gestorben ist, dass wir es essen. Wenn man das Töten anständig und fachgerecht macht, ist das meiner Meinung auch legitim. Das große Problem ist, dass die Gesellschaft das nicht mehr versteht – die Mehrheit der Leute kauft eben lieber Billig-Hühnerfleisch aus Massenproduktion als ein hochwertiges Stück Fleisch, bei dem man weiß, wo es herkommt.

 

SZ: Schmeckt das Fleisch noch, wenn man dem Tier, von dem es stammt, in die Augen geschaut hat?

Aber ja! Neulich bin ich in der Dämmerung los und habe ein Reh geschossen. Als ich dann neben dem Tier im Gras gekniet bin,

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„Veganismus ist für mich

eine Mischung aus Hysterie

und Hypermoralismus.“

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habe ich ihm durch die Decke gestrichen, man begreift, was man da getan hat – und wenig später bricht man das Reh auf. Noch am selben Abend habe ich die Rehleber in der Pfanne gebraten und mit meiner Frau zusammen gegessen. Beim Kochen hatte ich noch einen Blutfleck am Ärmel. Man kann jetzt sagen, das ist dekadent, aber man kann auch sagen, das ist ein natürliches Verhältnis zum Fleischessen.

 

SZ: Das ist vielleicht Geschmackssache.

Es ist vor allem Ansichtssache. Man kann ein frisch geschossenes Reh so fotografieren, dass ich den Fokus lege auf das Blut, auf heraushängende Gedärme – ich kann aber genau dasselbe Reh so darstellen, dass es aussieht wie frisches, gesundes, appetitliches Fleisch von einem Tier, das mutmaßlich glücklich war in seinem Leben. Darf ich Sie fragen: Essen Sie Fleisch?

 

SZ: Ja, ab und zu.

Dann sind Sie doch der Auftragsmörder per excellence. Es ist doch ein viel ehrlicheres Prinzip, das Fleisch, das man isst, selber zu erwerben – und so übrigens auch nicht einer Industrie ausgeliefert zu sein, die ziemlich armselig mit den Lebewesen umgeht, die sie verwertet. Nicht wenige Leute ernähren sich von Billigfleisch aus Massenproduktion – und werfen Jägern dann vor, blutrünstige Tierquäler zu sein. Das ist doch paradox.

 

 

SZ: Andererseits gibt es in Deutschland einen Trend zum Veganismus, vor allem junge Leute verzichten immer öfter auf Fleisch. Wie sehe Sie diese Entwicklung?

Wir leben in einer seltsamen Gesellschaft. Klar kann jeder tun, was er möchte. Aber Veganismus ist für mich eine Mischung aus Hysterie und Hypermoralismus. Man kann sich heutzutage in Deutschland vegan ernähren, das stimmt – aber nur, weil die Produkte das ganze Jahr über von überall aus der Welt in unsere Supermärkte gebracht werden. Ob  das so ökologisch sinnvoll und moralisch ist? Ich weiß es nicht.

 

SZ: Welche Motivation haben die Leute, bei Ihnen einen Jagdschein zu machen? Kommen die, weil sie die Jagd als ökologische und naturnahe Form des Fleischerwerbs entdecken wollen – oder geht es eher ums Schießen?

Das ist recht vielfältig. Viele kommen aus einem Jägerhaushalt, haben Freunde oder Nachbarn, die einen Jagdschein haben. Einige davon sagen, „das ist ja wirklich bio, was ihr da macht“. Aber der primäre Ansatz ist: Natur verstehen, Fachwissen über Tiere und Pflanzen erwerben. Der charakterliche Anspruch an einen Jäger ist allerdings nicht zu unterschätzen, wer nur wegen des Schießens jagt, sollte es lieber sein lassen. Ein schlechter Jäger zieht die ganze Jägerschaft in Misskredit.

 

SZ: Da gibt es immer wieder Horrorbeispiele. Ein Jäger, der in ein Maisfeld schießt und ein Liebespaar tötet, oder der Großwildjäger, der in Afrika einen medienbekannten Löwen mit der Armbrust erlegt.

Um diesen Löwen Cecil gab es ja den totalen Medienhype. Wo und wie der Löwe geschossen wurde, war, objektiv gesehen,  völlig rechtens. Das war ein Jagdgebiet in Simbabwe, dort wurde ein Futterplatz angelegt, um die Raubtiere anzulocken. Dies hat den Sinn, dass man selektiv schießen kann, man kann also das Tier nach dem Sozialgefüge auswählen. Man kann dazu stehen, wie man will, es ist sicherlich nicht meine Vorstellung von Jagd, aber dass es einen Löwen getroffen hat, der einen Namen hatte und medienbekannt war, hatte zur Folge, dass die Diskussion nur noch populistisch geführt wurde.

 

SZ: Wie stehen Sie generell zur Großwildjagd? Sie sind ja selbst an einer Firma beteiligt, die unter anderem weltweite Jagdreisen anbietet.

Hätten Sie mich früher gefragt, hätte ich geantwortet: Großwildjäger, das sind die dickbäuchigen, alten Männer, die mit einem Löwenfell einer vieljüngeren Freundin imponieren wollen. Heute sehe ich das völlig anders. In einem Land, in dem Leute an Hunger sterben, hat Artenschutz eine andere Bedeutung als bei uns. Glauben Sie, dass ein afrikanischer Farmer Leopardenschutz betreiben will, wenn die Raubtiere ihm ein Viertel der Kälber seiner Herde wegfressen? Nie im Leben. Durch die Großwildjagd kann in solchen Ländern allerdings tatsächlich Artenschutz betrieben werden.

 

SZ: Wie denn das?

Zugespitzt gesagt: Wenn der afrikanische Farmer durch die Jagd auf Leoparden mehr verdienen kann als durch Rinderzucht, dann wird er darauf achten, dass noch genug Leoparden erhalten bleiben, um damit ein Geschäft zu machen. Oder nehmen Sie ein historisches Beispiel: Der italienische König Vittorio Emanuele II. legte 1856 das königliche Jagdrevier Gran Paradiso an, weil er dort Steinwild jagen wollte. Dadurch hat dort die einzige Steinbock-Population der Alpen überlebt, von dort wurden sie wieder ausgesiedelt.

 

 

SZ: Würde dieses Prinzip nicht auch funktionieren, wenn man nur Fotosafaris veranstalten würde und auf das Abschießen geschützter Tiere verzichtet?

Das ist ziemlich komplex. Ich vertrete das Prinzip einer kontrollierten nachhaltigen Nutzung, also den Anteil der Population, der nachwächst, wirtschaftlich zu nutzen. Beispielsweise gibt es in manchen Gegenden in Afrika zu viele Elefanten, die sehr großen Schaden anrichten, ihren eigenen Lebensraum zerstören oder ganze Ernten vernichten. Wie soll man den Menschen, die dort leben, verbieten, für das eigene Überleben zu sorgen? Wenn aber für die betroffenen Menschen ein wirklicher Ertrag erwirtschaftet wird, hat Artenschutz für sie eine Bedeutung.

 

SZ: Wo genau verlaufen für Sie die ethischen Grenzen?

Jagd ist nur so gut wie der Mensch, der hinter dem Gewehr steht. Ethische Grenzen werden auch durch die Gesetzgebung bestimmt. Aber ich halte viele Schutzkategorien für ziemlich unsinnig, und oft werden sie nicht richtig verstanden.

 

SZ: Würden Sie einen Braunbären abschießen, wenn er in Ihr Revier kommt?

Ich würde jeden Braunbären, der in mein Revier kommt, persönlich begrüßen, das fände ich wunderbar. Aber der erste Braunbär, der in Saarbrücken durch die Altstadt spaziert, würde die Begeisterung der Leute und sehr unsinnige Diskussion sehr schnell beenden.

 

 

Roman Wüst, studierter Biologe und Leiter der Jagdschule. Der Schulleiter erteilt auch selbst Kurse für Jäger, Hundeführer und Falkner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presse – inFranken.de – Jagdsignale zum Auftakt der Jägerausbildung


Presseartikel in der Ausgabe , 24.07.2017

Zum ersten Mal bietet die Kreisgruppe Kitzingen im Bayerischen Landesjagdverband einen Kurs zur Vorbereitung auf die Jagdschein-Prüfung an. Jetzt sind die 14 Kandidaten begrüßt worden.

Zum ersten Mal bietet die Kreisgruppe Kitzingen im Bayerischen Landesjagdverband einen Kurs zur Vorbereitung auf die Jagdschein-Prüfung an. Zum Auftakt sind die 14 Kandidaten, darunter auch zwei Frauen, mit Jagdsignalen der Bläsergruppe Kitzingen und dem Kreisgruppenvorsitzenden Klaus Damme begrüßt wurden. Die Lerninhalte des Kurses vermittelt die Jagdschule Roman Wüst aus dem Saarland mit theoretischen Unterrichtseinheiten in der Geflügelzuchtanstalt in Kitzingen und mit Praxisstunden in den Revieren. Die Prüfung wird im Dezember abgelegt. Das Foto zeigt die angehenden Jäger mit den Jagdhornbläsern, dem Kursleiter Roman Wüst (Vierter von links) und seiner Mitarbeiterin Ruth Faul-Huber (mit Hund).

Presse – inFranken.de – Viele Schritte bis zum Jagdschein

Die Kreisgruppe Kitzingen im bayrischen Landesjagdverband führt in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Jagdschule Roman Wüst (Saarland) einen Jägerkurs zur Erlangung des Jagdscheins durch. Zur Vorbereitung gehörten auch Praxistage, wie zum Beispiel in Järkendorf, wo die Prüflinge unter der Anleitung von Jagdpächter Bert Grebner (zweiter von links) einen Hochsitz bauten.[/caption]

Die Kreisgruppe Kitzingen im bayrischen Landesjagdverband führt in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Jagdschule Roman Wüst (Saarland) einen Jägerkurs zur Erlangung des Jagdscheins durch. Zur Vorbereitung gehörten auch Praxistage, wie zum Beispiel in Järkendorf, wo die Prüflinge unter der Anleitung von Jagdpächter Bert Grebner (zweiter von links) einen Hochsitz bauten.[/caption]Presseartikel in der Ausgabe , 13.10.2017

Neuland hat die Kreisgruppe Kitzingen im Landesjagdverband (BJV) bei der Vorbereitung zur Jägerprüfung betreten. Der Weg zum Jagdscheins bleibt dennoch schwierig.

Neuland hat in diesem Jahr die Kreisgruppe Kitzingen im bayerischen Landesjagdverband (BJV) betreten. Zum ersten Mal führt sie in Zusammenarbeit mit der Jagdschule Roman Wüst aus dem Saarland einen Kurs zur Erlangung des Jagdscheins durch.

Die 15 Teilnehmer müssen in diesem Jahr viel Zeit für die Vorbereitung auf die Prüfung aufbringen. Es geht nicht nur darum, sich viel Wissen anzueignen, sondern auch die Jagd als Handwerk und als Arbeit in der Natur, für das Wild und für die Lebensräume vieler Tierarten zu begreifen.

Der Aufgabenbereich der Kreisgruppe liegt deshalb auf Arbeit und Wissensvermittlung in den Revieren, in Schießausbildung und Waffenhandhabung. Für letztgenannte Bereiche ist Büchsenmachermeister Christian Melber zuständig, der mit den Aspiranten zum Bewegungsschießen in Schweinfurt und zum Tontaubenschießen in Bad Kissingen war. Jetzt stehen noch drei Treffen zur sicheren Waffenhandhabung aus.

Bei den Praxistagen ging es um Biotope, die von einem Vertreter der unteren Naturschutzbehörde erklärt wurden. Dazu kommt die Ausbildung und der Umgang mit Jagdhunden, was im Revier Rüdern bei einer Generalprobe für die Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde von Hundeobmann Rainer Hornung erklärt wurde.

Zwei Tage waren die Prüflinge in einem Lehrrevier zu Gast, wo es auch um den Bau von Fallen zur Dezimierung von Fuchs, Marder, Elster und Krähen ging.

Im Revier Järkendorf wurde unter der Anleitung von Jagdpächter Bert Grebner ein Hochsitz gebaut, wobei die Jagdscheinanwärter erfuhren, dass in diesem Fall die Sicherheit oberstes Gebot ist. Während gesägt, geschraubt und genagelt wurde, plauderte Grebner, der Prüfer bei der Jägerprüfung ist, aus der Schule. Er zeigte sich überzeugt, dass die Erlangung des Jagdscheins den Horizont erweitert und auf Veränderungen in Flur und Wald aufmerksam macht: „Wer nichts lernt, hat keine Chance und wer vor fünf Jahren seinen Jagdschein gemacht hat und jetzt antreten müsste, der würde glatt durchfallen“, sagte er sich zum sich ständige wandelnden Wissen über das Weidwerk.

Nach Schießen und Praxistagen steht nun die schriftliche Prüfung für das „grüne Abitur“ ins Haus. Auf die werden sich die Kursteilnehmer am Monatsende in der Kitzinger Geflügelzuchtanstalt zehn Tage lang intensiv vorbereiten. „Da dauert ein Tag mit Pausen rund zwölf Stunden“, erzählt dazu Ruth Faul-Huber, die als Bindeglied zwischen Kreisgruppe und Jagdschule fungiert.

Auf rund 1200 Fragen aus den Fächern Wildbiologie, Hundewesen, Naturschutz, Waldbau, Jagdrecht und Waffenkunde müssen die Prüflinge vorbereitet sein. Nach der schriftlichen Prüfung steht dann noch ein intensives Wochenende als Vorbereitung für die mündliche Prüfung auf dem Programm „und Anfang Dezember ist die Prüfung rum“, meint Klaus Damme, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Kitzingen.

Er und die übrigen Vorstandsmitglieder halten den Kurs in Zusammenarbeit mit einer Jagdschule für eine gute Sache, „da es nicht nur darum geht, den Jagdschein zu bekommen, sondern auch darum, Wissen zu erlangen und den jagdlichen Erfordernissen unserer Zeit gerecht zu werden“.

Bei der Vorstandssitzung in Neudorf zogen die Revierinhaber, bei denen Praxistage durchgeführt wurden, eine rundum positive Bilanz: „Die waren voll konzentriert bei der Sache“, lautete ein Kommentar.

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